Adipositas - Übergewicht reduzieren
Ein erhöhter Bauchumfang ist das äußerlich sichtbare Zeichen für zu viel inneres Bauchfett. Anders als das Fett an Po, Hüften und Oberschenkeln produziert dieses Bauchfett große Mengen freier Fettsäuren, die den gesamten Fettstoffwechsel durcheinanderbringen und sich negativ auf Blutdruck, Blutzucker und Blutfette auswirken. Das erhöht die Risikofaktoren für die Gesundheit.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus können die Folge bei einem stark erhöhten Übergewicht sein. Die gute Nachricht: Die Speckröllchen am Bauch sind weitaus weniger hartnäckig als das Fett an Oberschenkel, Hüfte und Po. Eine Ernährungsumstellung und sportliche Aktivitäten können hier wahre Wunder wirken. Bereits 5 bis 10 % weniger Gewicht lässt unser inneres Bauchfett um rund 30 % schmelzen. Die Fließeigenschaften des Blutes verbessern sich – Bluthochdruck, Blutzucker und Bluttfette werden positiv beeinflusst. Lesen Sie, welche Tipps und Ratschläge unsere Expertin Prof. Dr. med. Petra- Maria Schumm-Draeger, München, geben konnte.
Übergewicht und Bauchumfang: Leserfragen
Paula R.: Wie messe ich meinen Bauchumfang am besten?
Mensch und Gesundheit: Messen Sie Ihren Bauchumfang vor dem Frühstück – im Stehen und mit freiem Oberkörper. Legen Sie das Maßband in der Mitte zwischen unterem Rippenbogen und oberem Beckenrand an und führen Sie es in gerader Linie um Ihren Bauch herum. Lesen Sie den Bauchumfang in leicht ausgeatmetem Zustand ab.
Wolfgang M.: Ab welchem Bauchumfang besteht Grund zur Sorge?
Mensch und Gesundheit: Ab einem Bauchumfang von 88 cm (Frauen) beziehungsweise 102 cm (Männer) treten Stoffwechselstörungen gehäuft auf. HDL-Cholesterinwerte sind oft erniedrigt, Tri- glyzeridwerte erhöht. Damit besteht ein erhöhtes Risiko für Atherosklerose und die Folgen Herzinfarkt und Schlaganfall.
Matthias S.: Meine Freundin sagt, ich (31 Jahre, 1,75 m, 81 kg) hätte eine „Apfel- figur“. Was meint sie damit?
Mensch und Gesundheit: Bei Männern konzentriert sich das Fett meist am Bauch. Im Gegensatz zur „birnen- förmigen“ Fettverteilung, wie sie vor allem bei Frauen an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln vorkommt, deutet der „apfelförmige“ Männerbauch auf ein Zuviel an innerem Bauchfett hin, das heißt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht. Wenn ihr Übergewicht mit einer „apfelförmigen“ Fettverteilung einhergeht, sollten Sie abspecken. Werden Sie nach der Arbeit zwei-, dreimal die Woche aktiv. Essen Sie regelmäßig, greifen Sie zu fettarmen Nahrungsmitteln und mehr Salat. Und Hände weg vom Bier.
Heinz M.: Mein Hausarzt sagt, ich (51 Jahre, 1,86 m, 98 kg, Bauchumfang 104 cm) muss unbedingt abnehmen, aber ich fühle mich absolut wohl mit meinem Bauch. Meine Blutwerte sind: Nüchternblutzucker = 114 mg/dl, HDL-Cholesterin = 36 mg/dl, Triglyzeride = 138 mg/dl, Gesamtcholesterin = 280 mg/dl, Blutdruck = 145/94 mmHg. Was empfehlen Sie mir?
Mensch und Gesundheit: Ihr Hausarzt hat vollkommen recht. Sie weisen einen erhöhten Bauchumfang, ungünstige Blutfette, einen erhöhten Blutzucker und Bluthochdruck auf – die sogenannten „vier B“. Jeder dieser Faktoren für sich allein erhöht bereits das Herz-Kreislauf-Risiko. Treten die Faktoren kombiniert auf, bilden sie ein gefährliches Quartett, das man auch als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet. Eine Schädigung der Blutgefäße, Herzinfarkt und Schlaganfall können die Folge sein. Regelmäßige Bewegung und eine gesunde, fettreduzierte Kost mit viel Obst und Gemüse sind das A und O für Sie und helfen, Fettmasse ab- und Muskelmasse aufzubauen. Durch den vermehrten Energie- bedarf der Muskulatur wird gleichzeitig der Glukoseverbrauch gesteigert und die Glukoseproduktion in der Leber gehemmt. Infolgedessen sinken der Blutzucker und die Menge an Insulin im Blut. Die Bildung und Speicherung von Fetten im Fettgewebe nimmt dadurch ab.
Heidelinde K.: Bei meinem letzten Gesundheitscheck stellte der Arzt leicht erhöhte LDL- und zu niedrige HDL-Cholesterinwerte fest. Was bedeutet das?
Mensch und Gesundheit: Das „schlechte“ LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen absetzen, das „gute“ HDL-Cholesterin dagegen transportiert das LDL-Cholesterin aus den Gefäßen ab. Bei einem ungünstigen Verhältnis dieser beiden Substanzen steigt die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall. Achten Sie auf einen gesunden aktiven Lebensstil mit fettarmer Ernährung und viel Bewegung.
Werner M.: Ich leide seit Jahren unter meinem starken Übergewicht (Body Mass Index = 32), aber das Abnehmen klappt einfach nicht. Können hier Medikamente helfen?
Mensch und Gesundheit: Dass die Gewichtsreduktion nicht funktioniert, könnte an einer Überfunktion des Endocannabinoidsystems (ECS) liegen. Je dicker man ist, desto aktiver ist es. Da das ECS eine wichtige Rolle bei der Regulation von Körpergewicht und Stoffwechsel spielt, entsteht für Betroffene ein klassischer Teufelskreis. Für sehr dicke Menschen gibt es dagegen jetzt Medikamente. Sie sollten allerdings nur aus medizinischen, nicht aus kosmetischen Gründen verschrieben werden.
Erhöhter Bauchumfang: Testen Sie ihr Risiko
Haben auch Sie einen erhöhten Bauchumfang? Testen Sie, ob bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen besteht: Treffen mehrere dieser Aussagen auf Sie zu, sind Sie gefährdet. Dann heißt es: Ran an den Speck!
Ist Ihr Blutdruck im Ruhezustand größer als 130/85 mmHg?
Ist Ihr Nüchternblutzucker größer als 100 mg/dl?
Ist der Wert HDL-Cholesterin kleiner als 50 mg/dl (bei Frauen) oder kleiner als 40 mg/dl (bei Männern)?
Was machen Ihre Blutfettwerte? Ist der Triglyzeride-Wert erhöht und zeigt mehr als 150 mg/dl an?
Tipps zur Gewichtsreduktion
- Verwenden Sie wenig, aber „gutes“ Fett. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (zum Beispiel fetter Seefisch) regulieren den Fettstoffwechsel und schützen Herz und Gefäße.
- Essen Sie bunt – dann ist Ihr Körper mit allen Nährstoffen bestens versorgt.
- Sich regen bringt Segen. Regelmäßige Aktivität ist das A und O und bringt mehr als das Verbrennen von Kalorien. Bewegung ist wichtig, um die Größe der Fettzellen zu verringern. Und: Wer Muskeln fordert und aufbaut, steigert seinen Grundumsatz und tut sich mit dem Abnehmen leichter.
- Genießen Sie Alkohol nur in geringen Mengen.


