Neue Studie zur Anti-TGF-β2-Therapie

Hirntumor: Gliome

Hirntumor: Gliome
Analyse der MRT-Aufnahmen vom Gehirn

Gliome sind Hirntumoren, die aus bestimmten Zellen des Zentralnervensystems, den Gliazellen, entstehen. Aufgrund des meist aggressiven Wachstums ist die Behandlung eines Glioms oft schwierig und die Lebenserwartung der Betroffenen nur kurz. Eine neue Therapie, die gezielt die Bildung eines tumorfördernden Eiweißes blockiert, könnte einen deutlichen Fortschritt bedeuten.

Diagnose Hirntumor

Jährlich werden hierzulande rund 8.000 Menschen mit der Diagnose Hirntumor konfrontiert. Meist wird dieser erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt, wenn die Tumormasse auf das umliegende Gewebe drückt und anhaltende Kopfschmerzen, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen hervorruft.

Die Zellen bösartiger Hirntumoren beeindrucken durch eine hohe Mobilität. Schon in sehr frühen Stadien wandern sie in benachbartes gesundes Hirngewebe ein (Migration) und können dabei Strecken von mehreren Zentimetern zurücklegen. Mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie gelingt es daher nur unzureichend, diese Zellen zu vernichten; es kommt häufig zu einem Wiederauftreten des Tumors. „Eine Heilung bösartiger Hirntumoren liegt bisher – unter anderem aufgrund der Migrationsaktivität der Tumorzellen – noch nicht in Reichweite“, erläuterte Prof. Dr. U. Bogdahn vom Zentrum für Hirntumoren in Regensburg kürzlich in einem Interview. „Eine
Therapie, die das Immunsystem aktiviert und in der Lage ist, gezielt vereinzelte Krebszellen erfolgreich zu bekämpfen, könnte das ändern.“

Bedeutung von TGF-β2

Die Anti-TGF-β2-Therapie zielt darauf ab, die Produktion von TGF-β2 zu hemmen. Es wird von einigen aggressiven Tumoren im fortgeschrittenen Stadium in großen Mengen gebildet und fördert unter anderem die Migration und
die Bildung tumorversorgender Blutgefäße. Der wohl wichtigste Effekt ist aber: TGF-β2 „lähmt“ fast alle Typen von Immunzellen und so entkommen die Tumorzellen, die sich mit diesem Protein umgeben, dem Angriff durch das körpereigene Immunsystem. Eine Therapie, die die Produktion von TGF-β2 unterbindet, greift den Tumor an mehreren Stellen gleichzeitig an: Sie hemmt die Tumormigration und -versorgung und versetzt das Immunsystem gleichzeitig in die Lage, Tumorzellen – auch bereits ausgewanderte Zellen – wieder als bösartig zu identifizieren und potenziell zu bekämpfen.

Studienteilnehmer gesucht

Der Wirkstoff der Anti-TGF-β2-Therapie wird im Rahmen der internationalen SAPPHIRE-Studie geprüft und befindet sich aktuell in der letzten Phase vor der Marktzulassung. Erste klinische Resultate sind vielversprechend. Patienten mit einer bestimmten Gliomart (behandlungsresistentes oder wiederkehrendes anaplastisches Astrozytom) können sich in die Studie aufnehmen lassen und haben dann eine 50 : 50-Chance, mit der aktuell besten Chemotherapie oder der Anti-TGF-β2-Therapie behandelt zu werden.

Share |