Hyperhidrose: Krankhaftes Schwitzen
Schwitzen ist ein lebensnotwendiger Prozess, der unseren Organismus vor Überhitzung schützen soll. Rund fünf Millionen Bundesbürger schwitzen jedoch über das normale Maß hinaus und ohne ersichtlichen Anlass. Feuchte Hände, sichtbare Schweißflecken auf der Kleidung, wahrnehmbarer Körpergeruch.
Krankhaftes Schwitzen (Hyperhidrose) ist für die Betroffenen peinlich und unangenehm – ein Albtraum, der nicht selten in die soziale Ausgrenzung führt. Jeder Mensch besitzt bis zu vier Millionen Schweißdrüsen, die täglich mehrere 100 ml Schweiß produzieren. Ihre Aktivität wird mithilfe des Botenstoffes Azetylcholin durch das sogenannte autonome Nervensystem reguliert, auf das wir willentlich keinen Einfluss haben.
Gravimetrie: Hyperhidrose ist messbar
Menschen schwitzen übermäßig stark und unkontrolliert – auch ohne körperliche oder seelische Belastung und unabhängig von Wärme oder Kälte. Der Übergang vom Normalen in diese krankhafte Form des Schwitzens ist fließend. Fachsprachlich ist von einer Hyperhidrose die Rede, wenn die Schweißabsonderung etwa 30 bis 50 mg/min beträgt. Dies kann mithilfe eines Filterpapiers ermittelt werden, das vor und nach einem einminütigen Einlegen, zum Beispiel unter der Achsel, gewogen wird. Doch bei großflächigen Hyperhidrosen ist eine solche Bestimmung mitunter nicht möglich oder – bei anfallsartigem Schwitzen – nicht aussagekräftig.
Schweiß: Übermäßiges Schwitzen und Schweißgeruch
Bei der Diagnose spielt daher die individuell empfundene Beeinträchtigung der Lebensqualität eine entscheidende Rolle. Auch die Beschreibung der Beschwerden, die Umstände der Hyperhidroseschübe und die Patientengeschichte werden in der Diagnosefindung berücksichtigt. Des Weiteren können die betroffenen Körperareale mit wissenschaftlichen Methoden wie dem Jod-Stärke-Test nach Minor identifiziert werden.
Schwitzen in Folge einer Grunderkrankung
Gelegentlich weist übermäßiges Schwitzen auf eine andere Grunderkrankung wie:
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Bluthochdruck
- Schilddrüsenerkrankung
- hormonelle Störungen
- Fettsucht (Adipositas)
- Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva)
Diese Faktoren können zu der sogenannten sekundären Hyperhidrose führen. Deshalb ist es wichtig, starkes Schwitzen ohne im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität, Wärmeeinwirkung oder grippalen Infekten ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen. Besteht das übermäßige Schwitzen ohne erkennbare Ursache, spricht der Mediziner von primärer Hyperhidrose. Häufig sind psychische Belastungen – beruflich oder privat – der Auslöser. Erste Hinweise lassen auch einen genetischen Einfluss vermuten. Jedenfalls sind die Schweißdrüsen der Betroffenen bis zu achtmal größer als bei Gesunden und dementsprechend „leistungsfähiger“.
Schweißausbruch: Psyche als Auslöser
Psychische Belastung Die Beschwerden reichen von Schweißperlen auf der Stirn, schweißnassen Händen und Füßen, Achselnässe bis hin zum Schweißfilm am gesamten Körper. Infolge des ständig feuchten Milieus ist die Hautbarriere zunehmend gestört, es kommt zu Pilzinfektionen und Hautentzündungen. Viel gravierender jedoch ist die psychische Belastung: Stifte und Münzen entgleiten der feuchten Hand, Schweißflecken wirken unattraktiv, jeder Händedruck wird zur Herausforderung.
Deodorants gegen Schwitzen
Gewöhnliche Deodorants stoppen zwar den unangenehmen Geruch, nicht aber das Schwitzen. Bei einer leichten und loka- len Hyperhidrose an den Händen, der Stirn oder im Achselbereich können Aluminiumchloridlösungen die sichtbaren Zeichen einer übermäßigen Schweißproduktion lindern. Die Aluminiumionen dringen in die Schweißdrüse ein und verstopfen deren Kanäle. Allerdings bleiben die geringen Aluminiumkonzentrationen der frei verkäuflichen Antitranspirante bei vielen Betroffenen wirkungslos und Präparate mit höheren Konzentrationen führen nicht selten zu Hautirritationen.
Hyperhidrose: Therapie und Behandlungsmöglichkeiten
Gleich, ob der Schweiß vermehrt am ganzen Körper auftritt (generalisierte Hyperhidrose) oder nur an bestimmten Stellen (lokale Hyperhidrose): Die Möglichkeiten einer Selbstmedikation sind begrenzt. Wer übermäßig schwitzt und sich durch das Schwitzen in seiner Lebensqualität beeinträchtigt fühlt, sollte sich daher an seinen Arzt wenden. Heilbar ist die Hyperhidrose durch die regelmäßige Gabe des Nervengifts Botulinumtoxin oder durch die einmalige Entfernung der Schweißdrüsen. Beide Maßnahmen sind aber kostenintensiv und werden nicht von den gesetzlichen oder privaten Krankenkassen getragen. Die Leitungswasseriontophorese, eine physikalische Therapie mit Strom, ist zwar effektiv, erfordert aber regelmäßigen Arztbesuch. Eine wirksame und schonende Alternative sind verschreibungspflichtige Dragees mit dem Wirkstoff Methantheliniumbromid. Diese Substanz verringert die Wirkung des „schweißtreibenden“ Botenstoffes Azetylcholin und reduziert so die Schweißmenge.


