Impfung: Wichtige Vorsorge
Pneumokokken sind weit verbreitet und werden über Tröpfcheninfektion – beim Husten, Niesen oder im Gespräch – übertragen. Ist der Organismus geschwächt, können sie sich ungehindert vermehren und zu schweren Erkrankungen führen.
„Pneumokokken sind die häufigste Ursache für eine Lungenentzündung, eine akute Erkrankung des Lungengewebes. Daneben können sie Mittelohr- oder Nasennebenhöhlen-Entzündungen auslösen, im ungünstigsten Fall aber auch eine Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung“, erläutert Dr. A. de Roux, Berlin. In den meisten Fällen werden diese Erkrankungen mit Antibiotika behandelt. Doch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Asthma oder chronischer Bronchitis, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Menschen ab 60 Jahre entwickeln nicht selten lebensbedrohliche Komplikationen.
Pneumokokken resistenter bei Antibiotika
Darüber hinaus reagieren die Pneumokokken in manchen südeuropäischen Ländern zunehmend resistent auf Antibiotika. Gefährdete Personen sollten sich daher vorbeugend gegen Pneumokokken-Erkrankungen impfen lassen. Die Impfung ist gut verträglich und das ganze Jahr über ratsam, insbesondere aber vor Grippewellen oder wenn man eine Reise in südeuropäische Länder plant. Auch die zeitgleiche Impfung gegen Grippe und Pneumokokken-Erkrankungen ist möglich.
Empfehlungen der Impfkommision
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für Kleinkinder zwischen 2 und 23 Monaten, Personen ab 60 Jahre sowie für Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer chronischen Erkrankung. Der Impfschutz hält bei Erwachsenen etwa sechs Jahre an. Danach sollte der Hausarzt prüfen, ob eine erneute Impfung notwendig ist. Unmittelbares Ziel jeder Impfung ist es, den Geimpften vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen. Bei Erreichen hoher Durchimpfungsraten ist es zudem möglich, einzelne Krankheitserreger regional zu eliminieren und schließlich weltweit auszurotten.
Tetanus: Weniger Impfungen
„Leider ist die Durchimpfungsrate in Deutschland nicht befriedigend. Derzeit lässt sich nur etwa jeder fünfte, für den eine Pneumokokken-Impfung ratsam wäre, auch tatsächlich impfen“, erklärt de Roux. Der Impfschutz gegen andere Infektionskrankheiten gerät ebenfalls zunehmend in Vergessenheit. Insbesondere bei den Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung weist die erwachsene Bevölkerung erhebliche Impflücken auf – trotz hoher Impfquoten im Kindesalter.
Tetanus, eine weltweit verbreitete, lebensbedrohliche Infektionskrankheit, wird durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht. Seine Sporen sind höchst widerstandsfähig und finden sich überall – sogar im Straßenstaub. Bei jeder Wunde besteht das Risiko, sich mit diesen Sporen zu infizieren, selbst bei Bagatellverletzungen. Obwohl eine Impfung sicher vor dieser Krankheit schützt, werden in Deutschland immer noch jedes Jahr 10 bis 20 Tetanusfälle registriert. Häufig enden sie tödlich.
Impfschutz sollte aufgefrischt werden
Sorglosigkeit beim Impfschutz birgt auch die Gefahr, dass vermeintlich eingedämmte Infektionskrankheiten wieder aufflackern. Diphtherie beispielsweise, eine Infektion der oberen Atemwege, kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen und Spätfolgen führen. Sobald die Durchimpfungsrate dieser Infektionskrankheit unter einen bestimmten Wert sinkt, nehmen die Erkrankungszahlen wieder erheblich zu. Das war in Russland zu beobachten, wo nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1994) 48.000 Fälle auftraten.
Wichtiger Schutz gegen Kinderlähmung
Die Zahl der jährlich registrierten Fälle von Kinderlähmung ging zunächst dank weltweiter Impfkampagnen von geschätzten 350.000 (1988) auf 483 (2001) zurück, stieg allerdings 2008 erneut auf 1.652 an. Impfungen und Auffrischimpfungen gehören zu den wirksamsten Vorbeugungsmaßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen.
Die STIKO empfiehlt, die Grundimmunisierung im Säuglingsalter zu beginnen, gemäß Impfkalender zu vervollständigen und die Auffrisch- und Wiederholungsimpfungen nicht zu vergessen. Wer sich aufgrund fehlender Impfdokumentation unsicher ist, ob er über eine Grundimmunisierung verfügt, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich, Impfkomplikationen werden nur in seltenen Fällen beobachtet.


