Allergiker: Allergieempfindlichkeit
Wiegende Raps- und Roggenfelder, Biergartenzeit und Freibadsaison?… So sehr sich die einen auf diese Jahreszeit freuen, so sehr fürchten sich andere vor dem, was ihnen jetzt „blüht“. Niesattacken, eine laufende oder verstopfte Nase, juckende und tränende Augen können Allergikern den Aufenthalt im Freien so richtig verleiden. Heuschnupfen klingt harmlos. Aber Allergien entwickeln sich immer mehr zu einer Volkskrankheit.
Bereits jedes dritte Schulkind klagt über allergische Beschwerden. Eine Allergie ensteht, wenn der Organismus harmlose Substanzen als gefährliche Eindringlinge einstuft. Viel heftiger als notwendig reagiert er mit Juckreiz, Schleimhautreizungen, Ausschlägen, Magen-Darm-Beschwerden oder Atemproblemen.
Die typische Allergiekarriere
Häufig beginnen allergische Erkrankungen schon im Säuglingsalter. Kuhmilch oder Hühnereiweiß löst Durchfall und Bauchschmerzen aus, Kleinkinder werden von juckenden Hautekzemen (Neurodermitis) geplagt. Doch dabei bleibt es meist nicht. Bald reagieren die Kleinen auch auf Substanzen in der Atemluft, wie Blütenpollen, Tierhaare, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben. Die frühen Nahrungsmittelallergien weichen den sogenannten Inhalationsallergien. Werden die allergieauslösenden Stoffe (Allergene) jetzt nicht gemieden oder eine sinnvolle Therapie eingeleitet, kann sich daraus ein ganzjähriger Dauerschnupfen mit begleitenden Infektionen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs entwickeln.
Im weiteren Verlauf reagieren viele Pollenallergiker auch überempfindlich auf bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel (Kreuzallergie). Ein herzhafter Biss in einen Apfel – und es kribbelt und juckt auf der Zunge bis hin zur Schwellung der Mund- und Rachenschleimhaut. Rund jeder zweite, der auf Birke, Erle und Hasel allergisch reagiert, verträgt auch Nüsse und verschiedene rohe Obstsorten nicht.
Bei rund 30 % der Heuschnupfenpatienten kommt es schließlich zum „Etagenwechsel“. Die Allergie „rutscht“ in die unteren Atemwege – ein allergisches Asthma entsteht. Dieser typische Verlauf einer Allergieerkrankung vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter wird als „Allergiekarriere“ bezeichnet. Bereits mit drei bis sechs Jahren werden mehr als die Hälfte der Kleinstkinder mit Neurodermitis einen Organwechsel in Richtung Atemwege erleiden – mehr als jedes dritte Kind mit allergischem Schnupfen wird später an Asthma erkranken. Daher ist es gerade bei Kindern wichtig, erste Anzeichen einer Allergie ernst zu nehmen und diese zweifelhafte „Karriere“ zu stoppen.
Vermeidung oft nicht möglich
Allergiesymptome können mit unterschiedlichen Medikamenten gemildert oder verhindert werden. Die beste Vorbeugung bleibt jedoch das Meiden des Allergens. Wenn der Kontakt zum auslösenden Allergen unausweichlich ist, vor allem bei Pollen, Schimmelpilzen oder Insektengiften, kann eine Hyposensibilisierung eine deutliche Erleichterung bringen. Dafür muss das verantwortliche Allergen allerdings bekannt sein. Um aus den rund 20.000 bekannten Allergenen den tatsächlichen Übeltäter herauszufinden, bedarf es geradezu detektivischer Fähigkeiten. Im Rahmen der Allergendiagnostik werden Proben allergieverdächtiger Substanzen auf die Haut aufgebracht und auftretende allergische Reaktionen (Pusteln, Quaddeln) beurteilt. Blutuntersuchungen können eine vorhandene Reaktionsbereitschaft bestätigen, ein Provokationstest gibt endgültige Gewissheit. Die ermittelte Substanz wird dem Patienten dann in steigender Dosis zugeführt, um ihn so allmählich unempfindlich gegen das Allergen zu machen. Häufig bessern sich gleichzeitig bestehende Kreuzallergien oder ein bestehendes allergisches Asthma. Damit ist die Hyposensibilisierung eine wichtige Maßnahme, um die typische Allergiekarriere zu stoppen. Heute ist eine tägliche Behandlung möglich, bei der die Therapielösung als Tablette in den Mund genommen, kurz unter der Zunge belassen und dann geschluckt wird.
Angesichts weltweit drastisch zunehmender Allergien beschäftigen sich Experten verstärkt mit der Frage, wie man allergische Erkrankungen verhindern oder ihren Verlauf bremsen kann. Denn Allergien sind häufig Familiensache: Kinder, deren Eltern unter derselben allergischen Erkrankung leiden, tragen das höchste Risiko und entwickeln mit 60 % Wahrscheinlichkeit ebenfalls eine Allergie. Vorbeugend wird empfohlen, aktives und passives Rauchen schon während der Schwangerschaft zu vermeiden. Da am Anfang der Allergiekarriere die genannte Allergie gegen Kuhmilch und/oder Hühnereiweiß stehen kann, sollte im Säuglingsalter auf dieses Fremdeiweiß verzichtet werden. Hier empfiehlt sich das ausschließliche Stillen für sechs Monate. Ist dies nicht möglich, sind allergenarme Säuglingsnahrungen eine sinnvolle Alternative. Ab dem sechsten Monat kann schrittweise eine allergenarme Beikost gegeben werden. Auf Eier, Nüsse, Fisch, Zitrusfrüchte und Soja sollte dagegen im ersten Jahr ganz verzichtet werden.


