Psyche oder Überproduktion von Urin?

Bettnässen (Enuresis) bei Kindern

Bettnässen (Enuresis) bei Kindern
Nächtliche Unruhe und Urinpannen

Für jeden zehnten Erstklässler beginnt der Tag mit einem „bösen Erwachen“: Bett und Pyjama sind durchnässt. Die meisten Jungen und Mädchen schämen sich deswegen – sie fühlen sich schuldig und minderwertig. Aber auch Eltern haben Schuldgefühle und glauben, ihre Erziehung sei Schuld, dass ihr Kind noch nicht trocken ist.

Damit verstärken sie unbewusst und unbeabsichtigt das Minderwertigkeitsgefühl der betroffenen Kinder. Diese kompensieren tagsüber ihre vermeintliche Schwäche mit gesteigerter Aktivität, was zu Unaufmerksamkeit in der Schule und Aggressionen gegenüber Klassenkameraden führen kann.

Nach einer Emnid-Umfrage bei Grundschullehrern wirkt sich das in 45 % der Fälle negativ auf die schulische Leistungsfähigkeit aus. Ein „Teufelskreis“ entsteht, denn Konflikte, die mit schlechten Leistungen zusammenhängen, können wiederum das Einnässen verstärken. Die Eltern sind mit dieser Situation in vielen Fällen überfordert.

Hilfe gegen Bettnässen

Natürlich wollen sie ihrem Kind helfen – aber wie? Dr. med. Daniela Marschall-Kehrel, niedergelassene Ärztin für Urologie in Frankfurt, rät: „Aufklärung über das Thema Bettnässen ist für alle Beteiligten von hoher Bedeutung. Unterstützen Sie ihr Kind positiv und lassen Sie sich gemeinsam beraten, denn diese Erkrankung ist erfolgreich behandelbar.“ Der Besuch beim Arzt ist wichtig, um aktiv gegen das Bettnässen anzugehen. Vor der Wahl der richtigen Behandlung sollten alle Ursachen, von organischen Erkrankungen bis zu eventuellen psychischen Gründen, abgeklärt werden.

Enuresis: Psychische Ursachen oder zu viel Urin

Es ist kaum bekannt, dass bei der am häufigsten auftretenden Form des kindlichen Bettnässens psychische Ursachen nur selten eine Rolle spielen. In den meisten Fällen liegt eine Urin­überproduktion vor. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese zu behandeln. Zum Beispiel mit einer medikamentösen Therapie. „Die Wirkung setzt in der Regel mit der ersten Einnahme ein“, erklärt Marschall-Kehrel. „Nach drei bis vier Monaten sind die meisten Kinder nachhaltig trocken, und die Therapie kann langsam reduziert werden.“

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