Funktionen von Magen und Darm

Darmreinigung

Darmreinigung
Magen und Darm in der Detailansicht

Der Darm ist mehr als ein „schlichtes“ Verdauungsorgan: Hier werden chemische Substanzen analysiert, Gifte erkannt und ausgeschleust. Große Nahrungsbestandteile werden gespalten, verwertbare Inhaltsstoffe in die Blut- und Lymphgefäße aufgenommen (resorbiert). Nicht nur, dass im Laufe eines 75-jährigen Lebens mehr als 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit durch dieses Verdauungssystem wandern, es ist gleichzeitig unser effektivstes Verteidigungsorgan, dabei Lebensraum für rund 100 Billionen Bakterien – zehnmal so viele, wie unser Organismus Körperzellen besitzt.

Als man die Existenz der rund 400 Bakterienspezies im Darm entdeckte, die sogenannte Darmflora, hielt man sie zunächst für eine Krankheit und gab ihr den Namen „intestinale Toxämie“. Sir W. Arbuthnot Lane (1856–1943), renommierter Chirurg des britischen Königshauses, empfahl seinen Patienten sogar, sich wegen der gefährlichen Eingeweidebewohner den Dickdarm entfernen zu lassen. Ein gut gemeinter, doch ungesunder Rat, wie wir heute wissen. Denn die rührigen Untermieter zerlegen die Kohlenhydrate, die von unseren Verdauungssekreten nicht abgebaut werden können, zum Beispiel Ballaststoffe, in kleine resorbierbare Bestandteile.

Energielieferant Butyrat

Im Verlauf dieser bakteriellen Fermentation (Zersetzung) kommt es zur Bildung kurzkettiger Fettsäuren. Und die Salze dieser Fettsäuren, vor allem Acetat, Propionat und Butyrat, sind für die Funktionsfähigkeit der Darmschleimhaut unerlässlich. So liefert Butyrat den Epithelzellen 80 % der erforderlichen Energie. Ein funktionierender Energiestoffwechsel wiederum ist Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion des Darms. Diese verhindert, dass potenziell gefährliche Mikroorganismen über den Verdauungstrakt in den Körper einwandern beziehungsweise Bakteriengifte aus dem Darminneren in die Blut- und Lymphbahn gelangen.

Darüber hinaus stimuliert Butyrat die physiologische Zellneubildung in den Schleimhauteinstülpungen des Dickdarms. Es wirkt antientzündlich und fördert die Aufnahme von Natriumchlorid und Wasser. Gelöste Stoffe werden verstärkt aus dem Darminneren entfernt, die Tendenz zu Durchfällen deutlich verringert. Gleichzeitig wird die Darmperistaltik angeregt, das bedeutet, der Nahrungsbrei wird durch das wellenförmige Zusammenziehen des Darms rascher in Richtung Enddarm befördert. Infolge der gebildeten Fettsäuren sinkt der pH-Wert, was wiederum die Überwucherung mit krankmachenden Keimen verhindert. Ein hoher pH-Wert – bei Butyratmangel – fördert hingegen die Umwandlung von primären zu sekundären Gallensäuren, die das Entstehen bösartiger Tumoren im Dickdarm begünstigen. Umgekehrt wirkt eine ausreichende Butyratversorgung hemmend auf die Entstehung von Darmkrebs, sie vermindert den oxidativen Stress im Darm und sorgt für einen anhaltenden Sättigungseffekt.

Magen- und Fettsäuren

Die Menge an frei gesetzten kurzkettigen Fettsäuren hängt von den Ernährungsgewohnheiten ab, insbesondere den aufgenommenen Ballaststoffen, aber auch von der bestehenden Darmflora. Sobald die Mikroorganismen in die Blutbahn geraten, rufen sie ernste Entzündungen hervor. Daher fordert das friedliche Miteinander von Millionen dieser Darmbakterien von unserem Organismus ein gleichbleibend hohes Maß an immunologischer Toleranz. Kann diese Toleranz nicht aufrechterhalten werden, beispielsweise bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, kommt es zu Abwehrreaktionen gegen die körpereigene Darmflora und die Artenvielfalt der Darmbakterien geht deutlich zurück.

Gleichgewicht von Magen und Darm

Ist das empfindliche ökologische Gleichgewicht und die Vielfalt dieser komplexen Bakteriengesellschaft gestört, haben krankmachende Keime ein leichtes Spiel, die Überhand zu gewinnen. Sie erzeugen Krankheiten, beeinträchtigen Vitalität und Wohlbefinden oder drücken aufs Gemüt. Umgekehrt wird unsere Verdauung auch von der Psyche beeinflusst, sei es, wenn sich Stress und Aufregung „auf unseren Magen schlagen“ oder „Schmetterlinge in unserem Bauch“ flattern. „Viel körperliches und seelisches Weh hat seine Ursache im Bauch“, wusste schon Pfarrer S. Kneipp vor 120 Jahren. Wer kennt sie nicht, die Durchfälle oder Pilzinfektionen nach einer Antibiotikatherapie?

Durchfallerkrankung und Darmerkrankungen

Etwa 25 % der mit Antibiotika behandelten Patienten leiden während oder im Anschluss an die Therapie unter Durchfällen. Da das Medikament nicht zwischen guten und schlechten Bakterien unterscheiden kann, kommt es infolge der Abtötung von Darmbakterien zu einem verminderten Abbau unverdauter Kohlenhydrate und einer reduzierten Bildung kurzkettiger Fettsäuren. Auch Patienten mit einem akuten Schub einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung verfügen über weniger Butyrat als Menschen mit einer gesunden Darmschleimhaut oder Patienten mit ruhender Erkrankung.

Der reduzierte Butyratstoffwechsel resultiert in einer verminderten Energieversorgung der Dickdarmzellen und führt zu unterschiedlichen Störungen der Darmfunktion: Zellreifung, Barrierefunktion und Schleimsynthese sind beeinträchtigt, ebenso die Durchblutung sowie die Wasser- und Elektrolytresorption. Eine ergänzende bilanzierte Diät mit Butyrat hilft dem Organismus, die angegriffene Darmschleimhaut zu regenerieren. Dies kann die Behandlung von Darmerkrankungen – zusätzlich zur konventionellen Therapie – optimieren. Auch andere Erkrankungen, die mit Durchfällen oder einem veränderten Bedarf der Darmschleimhaut einhergehen, lassen sich so möglicherweise positiv beeinflussen.

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