Ekzeme und schorfende Hautstellen

Neurodermitis: Juckende Problemhaut

Neurodermitis: Juckende Problemhaut
Bloß nicht kratzen! Schwierig für Neurodermitikern.

Menschen mit Neurodermitis möchten während eines akuten Krankheitsschubes am liebsten „aus ihrer Haut fahren“. Sie leiden unter geröteter, entzündeter Haut, kleinen Knötchen und Bläschen und – was besonders quälend ist – unter heftigem Juckreiz. Die Betroffenen kratzen sich, bis ihre Haut blutig ist; an eine erholsame Nachtruhe ist nicht zu denken. Etwa 14 bis 24 % der Bevölkerung leiden an dieser schubweise verlaufenden, entzündlichen Hautkrankheit – Tendenz steigend.

Das Immunsystem dieser „atopisch veranlagten“ Menschen reagiert unangemessen und überzogen auf an sich harmlose Umweltreize. Häufig zeigt sich dies bereits im Säuglingsalter als Milchschorf am Kopf oder als schuppende Rötung an den Wangen. Einrisse am Ohrläppchenansatz oder an den Mundwinkeln und entzündete Hautfalten hinter den Ohren können bei Babys ebenfalls auf eine Neurodermitis hinweisen.

Begünstigt durch individuell verschiedene Triggerfaktoren breiten sich die neurodermitischen Hautveränderungen im weiteren Verlauf nahezu immer über den gesamten Körper aus.

Neurodermitis: Auslöser für Ekzemschübe
Es gibt also nicht die Neurodermitis, die jeder hat, sondern jeder Neurodermitiker reagiert auf seine persönlichen Auslöser. Das können sein:

Stress begünstig einen Ekzemschub bei  Neurodermitis

  • psychische Belastung
  • Stress und Angst
  • körperliche Anstrengung
  • Infektionen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Hitze- oder Kälteeinwirkung

 

Neurodermitis: Betroffene Hautstellen
Jeder Neurodermitiker ist von Fall zu Fall unterschiedlich von den Ekzemschüben betroffen. Allerdings gibt einige Hautareal die besonders oft empfindliche Stellen aufweisen. Bevorzugt "befallen" werden:

Betroffene Hautstellen beu Neurodermitis

  • Armbeugen
  • Kniekehlen
  • Achselhöhlen
  • Hals
  • Hände
  • Rücken

 

Gerötete und schuppende Haut

Die erkrankten Hautpartien sind entzündlich gerötet und fühlen sich schuppig und trocken an. Das Schlimmste jedoch ist der unerträgliche Juckreiz. Um Linderung zu finden, kratzen und reiben die Betroffenen, was das Zeug hält. Da Neurodermitiker aber gleichzeitig eine ausgesprochene Neigung zu Hautinfektionen besitzen, verschlimmert dies die Situation weiter. Es kommt zu bakteriellen Entzündungen mit gelblicher Krustenbildung, die den Juckreiz noch steigern – ein Teufelskreis, der die Betroffenen auch nachts keine Ruhe finden lässt.

Neurodermitiker: Betroffene berichten

„Als letzter Ausweg blieb mir oft nur die eiskalte Dusche mitten in der Nacht“, erzählt die heute 20-jährige Stefanie, die seit ihrem 13. Lebensjahr unter einer mittelschweren Neurodermitis leidet. „Das Schlimmste für mich war, dass meine Freundinnen allmählich einen Bogen um mich machten. Mein Selbstwertgefühl bekam einen mächtigen Knacks und ich wagte mich kaum noch aus dem Haus.“

Die Therapie einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis bestand früher überwiegend darin, auf die akuten Ekzemschübe zu reagieren und die juckenden und entzündeten Hautregionen mit antientzündlichen Wirkstoffen wie Tacrolimus-Salbe zu behandeln. Als sogenannte Immunmodulatoren blockieren diese Wirkstoffe die Freisetzung von entzündungsauslösenden Botenstoffen der Haut; typische Symptome wie Rötung, Schuppung und Juckreiz werden rasch und nachhaltig gelindert.

Neurodermitis Therapie

Experten wissen heute, dass die Haut eines Neurodermitikers zwischen zwei Schüben oberfächlich betrachtet gesund aussieht, aber weiterhin leicht entzündlich verändert ist. Diese chronische Entzündung bildet die Grundlage für weitere Schübe. Das „proaktive“ Behandlungskonzept greift deshalb aktiv in dieses Krankheitsgeschehen ein: Nach dem Abklingen der akuten Ekzeme wird langfristig zweimal wöchentlich mit Tacrolimus-Salbe behandelt. Das bringt die minimale Dauerentzündung zum Abklingen und unter Kontrolle.

Bei Stefanie hat sich daraufhin die Zahl der jährlichen Krankheitsschübe deutlich verringert, ihre beschwerdefreien Intervalle sind sehr viel länger geworden. „Endlich kann ich wieder in den Spiegel schauen. Und meinen männlichen Altersgenossen bin ich auch nicht mehr gleichgültig“, lächelt sie zufrieden. Da die Barrierefunktion ihrer neurodermitischen Haut gestört ist, verfügt Stefanie allerdings auch weiterhin über weniger oder anders zusammengesetzte Hautfette als Gesunde.

Proaktive und reaktive Therapie

Ob proaktive oder reaktive Therapie: Ein Ersatz dieser Hautfette durch eine wirkstofffreie Basispflege (zweimal täglich eincremen) ist daher obligatorisch. Neurodermitische Haut ist immer sehr trocken, schuppig und reagiert nicht selten mit Hautirritationen auf bestimmte Kleidung (zum Beispiel aus Wolle), alkalisch wirkende Seifen, hartes Wasser oder klimatische Faktoren. Kleidung, die die Haut reizt und zum Schwitzen bringt, sollte deshalb tabu sein.

Tipps zur Linderung der Neurodermitis-Schübe

Bevorzugen Sie hautfreundliche Stoffe, die weich, atmungsaktiv und gut waschbar sind, zum Beispiel reine Baumwolle, Seide, Mikrofaser und weiche Leinenstoffe. „Da selbst Nähte, Etiketten und Reißverschlüsse meine Haut reizen, wende ich Wäsche, die ich direkt auf der Haut trage, stets mit den Nähten nach außen“, rät Stefanie. Außerdem empfiehlt es sich, Kosmetika, Seife und andere Hautwaschmittel sparsam zu verwenden, auf Schaumbäder zu verzichten und beim Umgang mit Reinigungsmitteln Gummihandschuhe zu tragen. Um das bewusste oder unbewusste Kratzen zu verhindern, ist es darüber hinaus ratsam, die Nägel kurz zu schneiden und nachts dünne Handschuhe überzustreifen.

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