Grüner Star (Glaukom)
Das Glaukom (grüner Star) ist ein Sammelbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Augenerkrankungen, in deren Verlauf die Zellen des Sehnervs allmählich absterben. Weltweit eine der häufigsten Ursachen für eine Erblindung ist die Diagnose für die Betroffenen zunächst ein Schock. Doch rechtzeitig behandelt lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung und letztlich die Erblindung in den meisten Fällen verhindern.
Früher definierte sich das Glaukom nahezu ausschließlich über den Augeninnendruck – über 22 mmHg be- deutete „krank“, unter 21 mmHg „gesund“. Heute weiß man, dass dem Glaukom ein Missverhältnis von Augeninnendruck und Durchblutung im Sehnervenkopf zugrunde liegt. Bei einem hohen Blutdruck innerhalb der Gefäße des Sehnervenkopfes wird offenbar ein höherer Augeninnendruck toleriert; bei niedrigem Durchblutungsdruck kann bereits ein niedriger Augeninnendruck die Zellen des Sehnervs zerstören. Größere Schwankungen des Drucks im Tagesverlauf scheinen den Sehnerv ebenfalls zu schädigen.
Entstehung Glaukom (Grüner Star)
Grundsätzlich wird die Entstehung eines Glaukoms durch alle Bedingungen begünstigt, die zu einem erhöhten Augeninnendruck oder zu einer verminderten Durchblutung im Sehnervenkopf beitragen. Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen an einem erhöhten Augeninnendruck. Bei ihnen ist infolge von Abflussstörungen in den sogenannten Kammerwinkeln das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers gestört. Schmerzhaft ist dies für die Betroffenen nicht, aber infolge des steigenden Drucks werden die empfindlichen Sehnerven zerstört.
Fehlregulation Blutdruck begünstigt den Grünen Star
Etwa jeder vierte bis fünfte Glaukompatient weist jedoch einen normalen Augeninnendruck auf. Aufgrund einer Fehlregulation der Blutgefäße reagiert allerdings knapp die Hälfte dieser Patienten auf bestimmte Reize wie Kälte oder emotionalen Stress mit intensiven Gefäßverengungen. Infolge der resultierenden Minderdurchblutung werden die Zellen des Sehnervs geschädigt; zeitweise klagen Betroffene auch über kalte Hände oder Füße sowie Hörstörungen, nicht selten über niedrigen Blutdruck. Das Heimtückische ist, dass sich ein Glaukom meist schleichend entwickelt und über Jahre die Zellen am Sehnerv schädigt, ohne sich durch Schmerzen oder Sehstörungen bemerkbar zu machen. Deshalb wird das Glaukom mitunter zu spät diagnostiziert, nämlich wenn bereits 50 bis 60 % der Nervenzellen und -fasern unwiederbringlich zerstört sind und sich dies in spürbaren Ausfällen im Gesichtsfeld äußert.
Einschränkung Gesichtsfeld
Anfangs entstehen diese allmählich größer werdenden „Skotome“ bevorzugt am Rand des Gesichtsfeldes. Später wird auch das Scharfsehen beeinträchtigt, was im Verlauf der Erkrankung zur endgültigen Erblindung des Auges führen kann. Abgestorbene Nervenfasern wachsen nie wieder nach; der resultierende Sehverlust lässt sich deshalb nicht mehr rückgängig machen. In der Regel kann die medikamentöse Senkung des Augeninnendrucks allerdings verhindern, dass sich die Sehfähigkeit weiter verschlechtert.
Die meisten Glaukompatienten benötigen verschiedene Augentropfen, die im Abstand von mindestens zehn Minuten anzuwenden sind. Wer in Eile ist, beherzigt dies oft nicht und gibt die zweiten Tropfen unmittelbar nach den ersten in seine Augen. Dadurch werden die Inhaltsstoffe des ersten Medikaments aus dem Auge gespült, der Therapieerfolg ist gefährdet. Menschen über 40 Jahre gelten als besondere Risikogruppe. Stärker gefährdet sind nicht nur Menschen mit einem erhöhten Augeninnendruck, sondern auch Personen mit familiärer Belastung oder Durchblutungsstörungen sowie stark kurzsichtige Menschen.
Grüner Star wird selten bemerkt
Insgesamt leiden etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung an einem Glaukom. Schätzungen zufolge ist derzeit jedes zweite Glaukom unentdeckt. Experten machen die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung und die Unwissenheit über mögliche Risikofaktoren für diese hohe Dunkelziffer verantwortlich. Dabei ist eine frühe Diagnose und Behandlung die einzige Möglichkeit, sich vor einem Sehverlust oder sogar einer beidseitigen Erblindung zu schützen. Jeder, der einer Risikogruppe angehört, sollte routinemäßig einmal im Jahr die Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt wahrnehmen, um Augeninnendruck und Gesichtsfeld sowie den Zustand von Sehnervenkopf und Nervenfasern prüfen zu lassen.


