Blasenschwäche bei Frauen

Reizblase

Reizblase
Plötzlicher Harndrang bei Frauen

Soeben hat Caroline M. noch herzhaft gelacht. Doch dann sucht sie peinlich berührt und mit hochrotem Kopf das Weite in Richtung Toilette infolge unwillkürlichen Urinverlustes und starken Harndranges. Caroline M. leidet wie knapp fünf Millionen Menschen in Deutschland unter einer überaktiven Blase (Reizblase).

Die 33-Jährige verspürt ständig den Drang, eine Toilette aufsuchen zu müssen. Manchmal verliert sie sogar die Kontrolle über ihre Blase und dann passieren diese kleine Malheure. Selbst die engsten Freunde belächeln ihre ständige WC-Marotte, ohne die wahren Hintergründe zu kennen. Denn Caroline M. schämt sich, die Wahrheit zu erzählen. Anstatt sich professionelle Hilfe zu suchen, leidet sie lieber unter dem ständigen Druckgefühl. Ihre Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, weil die Steuerung ihrer Blase nicht richtig funktioniert.

Harndrang und Blasenschwäche

Sobald keine sanitären Einrichtungen in der Nähe sind, gerät Caroline M. regelrecht in Panik. Wenn sich die Blase allmählich füllt, kommt es in der Blasenwand zu einer Dehnung, die durch Dehnungsfühler wahrgenommen wird. Wird dabei ein bestimmter Schwellwert überschritten, signalisieren sie dem Gehirn, die Blase zu entleeren. Es entsteht Harndrang. Kommt es infolge einer Übererregbarkeit der Dehnungsfühler zu Missverständnissen, werden falsche Signale ausgesendet, Kontraktionen der Muskelwand können hinzukommen und Harnflüssigkeit kann unkontrolliert abgehen. Landläufig meint man, diese Form der Inkontinenz beträfe nur ältere Menschen oder Frauen nach einer Schwangerschaft – eine Annahme, die nicht korrekt ist: Es handelt sich bei der Erkrankung nicht um eine reine Alterserscheinung oder eine natürliche Folge von Geburten.

Training für die Blase

Zwar sind hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft Faktoren, die das Krankheitsbild begünstigen, aber eine überaktive Blase tritt geschlechtsunabhängig und in jeder Altersgruppe auf. Dabei sind Frauen allerdings häufiger betroffen als Männer. Wenig trinken hilft nicht Wenn das Problem selbst nach Wochen nicht verschwindet, ist es dringend an der Zeit, sich in Behandlung zu begeben. Ärzte und Fachärzte – Urologen wie Gynäkologen – sind die richtigen Ansprechpartner. In einem fachkundigen Gespräch wird die aktuelle Krankheitsgeschichte erörtert und nach deren Auslösern gefahndet. In der Situation von Caroline M. wird schnell klar, dass diese junge Frau im Büro ständigem Stress ausgesetzt ist.

Hohe seelische Belastungen zählen zu den wichtigsten Faktoren, die eine Reizblase begünstigen. Zusätzlich ist der 33-Jährigen ein kapitaler Fehler unterlaufen: Sie wollte die Blase „austricksen“, indem sie kaum noch etwas getrunken hat. Mit dieser Maß- nahme erreichte sie jedoch das Gegenteil. Die Blasenwand besteht aus einer Muskelschicht, die ein ständiges „Training“ erfordert. Je weniger getrunken wird, desto mehr schrumpft das Fassungsvermögen der Blase. Da dadurch weniger Flüssigkeit angesammelt werden kann, wird der Harndrang häufiger ausgelöst. Der Flüssigkeitsmangel sorgt außerdem dafür, dass der Urin in hoch konzentrierter Form gebildet wird. Dies zieht den Blasenwandmuskel zusätzlich in Mitleidenschaft.

Harndrang kann den Tagesablauf bestimmen

Für die Gesunderhaltung des Harnapparats wird deshalb empfohlen, täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen – auch oder gerade bei Vorliegen einer Reizblase. Diagnostiziert der behandelnde Arzt eine überaktive Blase, ist die medikamentöse Behandlung meist der erste Schritt zur Besserung. Der gut verträgliche Wirkstoff Methantheliniumbromid beispielsweise sorgt dafür, dass sich die von glatter Muskulatur durchzogene Blasenwand entspannt; in der Folge kann sich das Hohlorgan wieder mit einer größeren Menge Harn füllen und die Intervalle zwischen den Toilettenbesuchen werden größer.

Caroline M. ist angetan: Sie kann endlich wieder durchschlafen, ohne durch den ständigen Harndrang geweckt zu werden. Auch im Übrigen ist sie wieder gelassener. Gemeinsam mit ihren Freundinnen besucht sie einen Kurs für autogenes Training. Parallel dazu hat sie mit einer gezielten Beckenbodengymnastik begonnen, um ihre Blasenwand- muskulatur zu stärken. Die junge Frau steht wieder mitten im Leben. Sie hat die Kontrolle über ihre Blase zurückgewonnen und kann endlich wieder unbeschwert lachen.

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