Schwangerschaft trotz Krebs
Die Diagnose „Krebs“ ist schwer zu begreifen. Sie wirft jeden aus der Bahn, ganz besonders junge Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben. Angst und die bange Frage „Wie stehen meine Heilungschancen?“ beherrschen zunächst das Denken. Schlagartig sehen sich die jungen Leute mit der Endlichkeit konfrontiert, mit der Ungewissheit, wie es weitergeht. Aber um die Heilungschancen einer früh entdeckten Krebserkrankung steht es heute sehr gut.
Junge Patienten haben verglichen mit älteren zudem den Vorteil, dass der Krebs meist ihre einzige schwere Krankheit ist. Körperlich sind sie fit, das Herz-Kreislauf-System, Leber und Nieren arbeiten in der Regel ohne Probleme – beste Voraussetzungen, um auch eine potenziell erforderliche Chemotherapie gut zu überstehen.
Diagnose Krebs und Familienplanung
Frühzeitig diagnostiziert besiegen viele Patienten ihre Erkrankung und leben ebenso lang wie gesunde Gleichaltrige. Vor diesem Hintergrund steht besonders bei jungen Frauen nicht nur das reine „Überleben“ im Fokus, sondern auch die Frage nach den Folgeschäden der Therapie. Etwa jede vierte Frau mit Brustkrebs befindet sich im gebärfähigen Alter. Viele von ihnen haben die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Viele wollen auch nach einer Krebstherapie noch Kinder bekommen können.
Chemotherapie
Doch immer wieder zahlen Krebspatientinnen für eine erfolgreiche Chemotherapie einen hohen Preis: die Zerstörung ihrer Eierstöcke (Ovarien). Eine Chemotherapie ist zweifelsohne eine wichtige lebenserhaltende Maßnahme. Leider kann sie nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Zellen unterscheiden. Sie zerstört nicht nur die sich unkontrolliert vermehrenden Tumorzellen, sondern leider auch alle anderen sich teilenden Zellen – auch die Ovarien. Meist werden alle Follikel (Eibläschen) unwiederbringlich zerstört. Eine natürliche Empfängnis ist dann nicht mehr möglich.
Frühzeitige Menopause
Bedingt durch das fehlende Östrogen kommen auch junge Frauen frühzeitig und von heute auf morgen in die Menopause. Ohne Ovarialschutz bleibt bei jeder zweiten Patientin die Monatsblutung nach der Chemotherapie ganz aus. Den Krebs haben sie glücklich besiegt, aber es bleiben verstärkte Wechseljahresbeschwerden mit Hitzewallungen und Schlafstörungen sowie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Kinderwunsch trotz Krebserkrankung
Und von ihrem oft sehnlichen Wunsch nach einem eigenen Kind müssen sich viele junge Frauen verabschieden. Junge Krebspatientinnen sollten sich daher vor einer Chemotherapie gründlich darüber informieren, welche Möglichkeiten es zum Schutz ihrer Eierstöcke gibt. Wenn rechtzeitig gehandelt wird, haben junge Krebspatientinnen eine gute Chance, weder auf ihren Kinderwunsch verzichten, noch über viele Jahre hinweg unter Wechseljahresbeschwerden leiden zu müssen. Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Eierstöcke mit sogenannten „Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH-)Agonisten“ vor den Zellgiften der Chemotherapie geschützt werden können. Allerdings muss diese Schutztherapie ein bis zwei Wochen vor der Chemotherapie begonnen werden.
GnRH-Agonisten blockieren in einer Art „künstlicher Wechseljahre“ die Östrogenproduktion, die Ovarien werden quasi „in einen schützenden Tiefschlaf“ versetzt. Auf diese Weise kann der Schaden an den Eierstöcken gering gehalten und die Chance, dass sie nach Chemotherapie und Absetzen des Wirkstoffs wieder normal arbeiten, deutlich erhöht werden. Bei vielen Patientinnen stellt sich anschließend wieder ein normaler Monatszyklus ein, die lästigen Beschwerden der „künstlichen Wechseljahre“ verschwinden, und sie können wieder schwanger werden. Die Langzeitprognose der Frauen wird durch eine Schwangerschaft offensichtlich nicht beeinträchtigt. Vielmehr weisen mehrere Studien darauf hin, dass die Prognose aus bislang noch ungeklärten Gründen eher günstig beeinflusst wird.
Schwangerschaft planen
Wegen des erhöhten Risikos eines Rückfalls oder der Metastasierung in den ersten zwei bis drei Jahren sollte eine Schwangerschaft erst nach dieser Zeit geplant werden. Die Diagnose Krebs ist ohne Zweifel niederschmetternd und macht zunächst hilflos. Der größte Fehler, den junge Frauen jetzt machen können, ist dieser Hilflosigkeit zu erliegen und die Verantwortung für ihren Körper und ihr Leben kritiklos an andere abzugeben. Wie bei allen wichtigen Entscheidungen sollte der erste Schritt sein, sich umfassend zu informieren.
Selbsthilfegruppen zur Unterstützung
Zahlreiche Selbsthilfegruppen und Informationszentren können hier wertvolle Unterstützung leisten. Auch die Meinung eines zweiten Arztes kann hilfreich sein. Aber vergessen Sie trotz aller Ängste nicht, dass das Leben nach der Krebsbehandlung weitergeht. Bleiben Sie aktiv, pflegen Sie ihre sozialen Kontakte und leben Sie ihre Alltagskompetenz wie vor der Diagnosestellung. Auf Belastungsfaktoren wie Stress sollten Sie allerdings gelassener reagieren als bisher. Stressbewältigungsprogramme helfen Ihnen dabei.


